Ist eine Trockenmauer nur eine Mauer?

Den Begriff Trockenmauer kennt fast jeder, das Wort ist selbsterklärend. Die Mauer wird trocken aufgebaut ohne Beton oder Mörtel. Diese Bauweise ist Jahrtausende alt, die Römer brachten diese Bauweise zu uns nach Europa. Auch heute noch sind Trockenmauern zu finden, die die Römer vor rund 2000 Jahren erstellt haben. Werden solche Mauern richtig erstellt und gepflegt, können diese sprichwörtlich „steinalt“ werden.

Leider verschwindet diese Bauart immer mehr aus unseren Gärten, die Betonmauer ist schneller zu erstellen und meist auch günstiger. Schade, denn eine Trockenmauer ist nicht nur ästhetisch sehr schön, sondern auch sehr wichtig für die Natur. Umso älter eine Trockenmauer ist, desto mehr Arten finden sich in der Mauer, teilweise auch Arten die gefährdet sind. Aus diesem Grund wurde der Trockenmauerbau in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Eine Trockenmauer kann grundsätzlich selbst aus Mauersteinen erstellt werden. Hierzu gibt es diverse Mauersteine, die sich für diese Bauweise eignen. Natürlich können auch Bruchstücke verwendet werden. Um eine Trockenmauer zu erstellen braucht es handwerkliches Geschick und meistens viel Geduld. Es ist eine Kunst die richtigen Steine zu sortieren und teilweise fühlt es sich an wie ein grosses Puzzle. Es ist schön zu sehen, wie eine Trockenmauer langsam Gestalt annimmt und Stück für Stück wächst. Auch in den kommenden Jahren ist es schön zu beobachten, wie die Trockenmauer anfängt zu leben. Jahr für Jahr steigt die Einwohnerzahl der Tiere und Arten in der Trockenmauer.

Dennoch sollte die Trockenmauer jährlich gepflegt werden, am idealsten im Sommer, da im Winter die Tiere in der Mauer überwintern. Die Mauer sollte auf Schadstellen kontrolliert werden, falls Mauersteine Frostschäden erlitten haben oder lose Mauersteine vorhanden sind, sollten diese wieder verkeilt werden, um die Stabilität der Mauer zu gewährleisten. Die Mauer kann ruhig leicht überwachsen sein. Ist die Mauer jedoch zu stark überwachsen, sollte man dies wieder etwas entfernen.

Die Tiere und Pflanzen lieben eine Trockenmauer. Durch die offenen Fugen, Winkel und diverse Hohlräume bietet dies einen optimalen Schutz vor Witterungseinflüssen. Die Tiere können sich verstecken, sie bietet ideale Nistplätze und auch Winterquartiere. Die Natursteine speichern die Wärme. Besonders die oberen Bereiche sind sehr trocken und warm, die unteren Bereiche der Mauer sind eher etwas kühler und meistens auch feuchter. Die verschiedenen Pflanzen wie Flechten, Mauerpfeffer, Mauerraute, Moos etc. wachsen
mit den Jahren und bietet eine ideale Grundlage für diverse Insekten und Schmetterlinge. Auch Wildbienen können sich in einer Trockenmauer niederlassen.

Falls Sie sich für eine Trockenmauer entscheiden, gestalten Sie nicht nur einen Hingucker in Ihrem Garten, sondern bieten diverses Tieren, Insekten und Pflanzen einen Lebensplatz.